Oded Tzur Quartet • foyer Jazz-club spezial

Do 30. März 2023 • Forum Merzhausen • 20:00 Uhr

Meditativ musikalisch


Der israelische Saxofonist mit einzigartigem Alleinstellungsmerkmal.

Nitai Hershkovits: piano / Petros Klampanis: bass / Johnathan Blake: drums


Text von Oliver Hochkeppel (SÜDDEUTSCHE ZEITUNG)

 

Auch der Saxofonist Oded Tzur gehört zur quantitativ wie qualitativ außergewöhnlichen Riege israelischer Musiker, die von Tel Aviv aus gewissermaßen eine eigene Jazzgemeinde in New York gründeten und von da aus inzwischen die Welt erobert haben. Wobei bei Tzur eine entscheidende Zwischenstation dazu kam: In den späten Nullerjahren studierte er am Rotterdamer Konservatorium als erster Saxofonist bei Hariprasad Chaurasia, einem legendären indischen Meister der Bansuri-Flöte. Weswegen Tzurs Spiel anders als bei seinen Landsleuten ebenso sehr von der Mikrotonalität und der Rhythmik indischer Ragas beeinflusst ist wie von der mediterranen und arabischen Klangwelt. Ein Alleinstellungsmerkmal, das er in einzigartiger Weise zum Erzählen musikalischer Geschichten nutzt.

 

Schon auf seinem Debütalbum "Like A Great River" verzauberte er mit seinen meditativen, aus dem Nichts kommenden, verschlungen dahinströmenden Kompositionen, dann vertonte er für den BMW Welt Jazz Award seine Version von Scheherazades Geschichten aus "Tausendundeine Nacht", schließlich gelang ihm bei "Here Be Dragons", selbst noch aus Elvis Presleys "Can't Help Falling in Love" einen neuen, spannenden Gesprächsfaden zu stricken.

 

Nun verdichtet er im inzwischen bewährten Quartett mit seinem aufstrebenden Landsmann Nitai Hershkovits am Piano, dem griechischen Bassisten Petros Klampanis und dem amerikanischen Star-Drummer Johnathan Blake die auch schon in einem Gedicht im Booklet eingefangenen Gedanken zu einem Mädchen namens "Isabela" zu einem suitenartigen Album, bei dem man erneut dahinschmelzen möchte. Von der kurzen, sich aus der Stille zu einem Saxofon-Ruf und Trommelwirbeln auftürmenden "Invocation" über das gemächlich dahinfließende "Noam" und die fröhlich Fahrt aufnehmende "Lion Turtle" bis zum lange und flott um ein Raga-Motiv tanzenden Titelstück. Mit einem auf- und abschwellenden "Love Song For The Rainy Season" gewissermaßen als Epilog.

 

München spielt für Tzurs Karriere eine wichtige Rolle: Seine ersten zwei Alben erschienen beim Enja-Label, "Isabela" ist nun sein zweites für ECM. In Manfred Eichers Kabinett der kultivierten Klänge passt das eigenwillig poetische Konzept Tzurs auch wie der Deckel zum Topf.

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