Special Event

Hommage • Eberhard Weber • 80 Jahre

Sa.  25. Januar 2020 - FORUM Merzhausen - 19.30 Uhr


Eberhard Weber hat das Bassspiel revolutioniert. Er gilt als Erfinder des E-Kontrabasses und hat damit internationale Jazzgeschichte geschrieben. 2007 wurde seine beispiellose Karriere durch einen Schlaganfall jäh beendet.  Anlässlich seines 80. Geburtstages ehrt forum jazz e. V.  (Merzhausen)  den am 22. Januar 1940 in Esslingen geborenen Ausnahme-Künstler mit einem speziellen Abend. Die Besucher begegnen filmisch und persönlich einer großen Musiker-Persönlichkeit und einem außergewöhnlichen Menschen.  Der Abend wird aus drei Teilen bestehen.

Wir zeigen zunächst einen ca. 30-minütigen Konzertmitschnitt des Jubilee Konzerts, welches anlässlich des 75. Geburtstags von Eberhard Weber im Januar 2015 im Theaterhaus Stuttgart stattfand.  Die von Pat Metheny komponierte  Suite "Hommage à Eberhard Weber", basiert auf Aufnahmen von Solo-Improvisationen Webers, die in Methenys einfühlsamer Orchestrierung von der SWR-Big-Band mit Metheny, Gary Burton, Scott Colley und Danny Gottlieb meisterhaft interpretiert werden. Der Gitarrist hatte mit dem Bassisten in den 1970er Jahren auf seinem ECM-Album "Watercolors" sowie  Gary Burtons "Ring" und "Passengers" zusammengespielt.  Im Begleittext zur CD erklärt  Pat Metheny  seine Vorgehensweise:  "Seit seinem Schlaganfall 2007 kann Eberhard nicht mehr spielen. Doch seine Arbeit ist für mich so essentiell durch seine klangliche Identität geprägt, dass ich darauf in irgendeiner Weise eingehen wollte. So entstand die Idee, das Konzept des Samplings einen Schritt weiter zu führen und mit Videoaufnahmen von Eberhard beim Improvisieren zu arbeiten, Elemente daraus durch Schneiden, Neuanordnen, Mischen und Orchestrieren zu einer neuen Komposition zusammenzufügen und die dazugehörigen Bilder während der Performance auf einer Leinwand zu zeigen - eine neue Art des Komponierens, die man in meinen Augen fast als visuelles Sampling bezeichnen könnte."  Eine geniale Idee, wundervoll in Szene gesetzt und gleichzeitig die Einstimmung in einen besonderen Abend im FORUM Merzhausen.    



Danach liest Eberhard Weber Auszüge aus seinem Buch / Résume - Eine deutsche Jazz-Geschichte.  Man erfährt Spannendes, Humoriges, Hintergründiges ...  Eberhard Weber lässt den Jazz begeisterten Leser sehr eindrucksvoll und teilweise intim an seinem Leben als Jazzmusiker teilhaben. Besonders prägnant schreibt er über die Umstände seines Schlaganfalles. Die zum Teil sehr detailliert beschriebenen Abenteuer und die Schilderungen des Alltagsleben eines Konzert-Musikers lassen erahnen, dass neben der Musikkunst auch der ganz normale (Lebensalltags-) Wahnsinn zu bewerkstelligen war und natürlich auch heute noch ist. Die Erlebnisse mit berühmten Musiker-Kollegen  wie Jan Garbarek, Wolfgang Dauner, Rainer Brüninghaus, Pat Metheny und auch der Pop-Ikone  Kate Bush, um nur einige wenige zu nennen, machen den großen Teil dieser Biographie aus und sind absolut spannend zu lesen. Eine kleine Fragerunde schließt sich der Lesung an. 

Als Höhepunkt des Abends wird der seit 1996 in der Schweiz lebende Schwede Björn Meyer ein Bass Solo Konzert zu Ehren von Eberhard Weber geben. Meyer spielte als Kind Klavier, lernte in der schwedischen Jugend-Musikschule zunächst Trompete, sang im Knabenchor und spielte Gitarre in lokalen Punk-Bands. Mit 18 Jahren wechselte er zum E-Bass um seit 1989, nach Abschluss eines Informatik- und Physik-Studiums, als professioneller Musiker tätig zu sein. 2017 veröffentliche das Münchner Kult-Label ECM das Bass Solo Album Provenance.  Es gibt eine starke Tradition von Solo-Bass-Alben bei ECM, allerdings ist Provenance das erste, das der elektrischen Bassgitarre gewidmet ist. Björn Meyer, 1965 in Stockholm geboren, hat über die Jahre eine unverwechselbare Stimme auf seinem Instrument entwickelt, und das in höchst unterschiedlichen Kontexten: mit der persischen Harfenistin und Sängerin Asita Hamidi, dem schwedischen Nyckelharpa-Spieler Johan Hedin oder dem tunesischen Oud-Meister Anouar Brahem. Eine Dekade lang war Meyer Mitglied von Nik Bärtsch’s Ronin, einer Formation, in der sein Bass häufig als Leadinstrument fungierte. In seiner Soloarbeit fasziniert ihn besonders das Zusammenspiel von elektronisch erzeugten Klängen und dem jeweiligen Konzertraum:  „Obwohl das Instrument rein technisch gesehen nicht akustisch ist, wird die Musik stark von den Eigenschaften des Raums, in dem sie gespielt wird, beeinflusst. Man darf sehr gespannt sein, wie die außergewöhnliche Atmosphäre des Foyers im FORUM Merzhausen das akustische Geschehen beeinflussen wird. 




Presse zu Björn Meyer's ECM Album Provenance


Due to its relatively young age, the bass guitar is still growing both physically and sonically. The instrument has long been treated with mistrust and even contempt in more traditional jazz circles where it is seen as a poor substitute for its larger, older brother. This makes ECM’s first release of a solo bass guitar album all the more welcome. [..] Much of the compositional material is built around mournful arpeggiated chords. The appeal of the music is how Meyer goes on to manipulate these foundations and how the glacial changes in texture draw the listener in to a state of relaxation. The chord structures draw influence from the dark ambient and post rock genres. The problem with chords on the bass guitar is that they can sound too dense. However, the bass is beautifully recorded with great clarity between the notes. […] Meyer has taken a unique approach to composition for solo bass guitar. It is one that will move the instrument forward as much as it will move the listener emotionally.

John Marley, Jazz Views

 

What wonderful surprises the ECM label can offer up with hitherto unrecognised musicians who offer atmospheric recordings of great depth and beauty. This is one such example from Swedish bassist Björn Meyer on this intoxicating all original set. Meyer has collaborated with Tunisian oud player Anouar Brahem and Persian harpist/singer Asita Hamidi and is a long-time member of the Nik Bärtsch’s Ronin band, but this solo debut is all about generating sounds on the bass. It is the hypnotic beauty of the sounds generated that impressed this writer most and the evident virtuosity is backed up by a musical mind that communicates his love of roots music across the globe.

Tim Stenhouse, UK Vibe

Was Björn Meyer für seinen E-Bass entdeckt, ist nichts Minderes als die andere, die zweite Seite der Elektrizität. Er mikroskopiert klangfarbliche Details. Es ist im Grunde nicht anders als seinerzeit bei Billie Holiday: Das Mikrofon erlaubte eine nie gekannte Intensität.  Gerade diese Seite intimer Konfessionen macht auch ‚Provenance‘ aus.

Christoph Merki, Tagesanzeiger

 

Meyers aus intuitiven Notizen entwickelte Kompositionen formen sich tatsächlich zu Songs, die unerwartet neue Wege gehen. Ja, das ist wenig Jazz, und es ist auch nicht verkehrt, wenn man sich hier an Formen des sog. ‚Postrock‘ oder an Ambient erinnert fühlt; ‚Provenance‘ ist Musik wie Atmen. […] Björn Meyer ist ein vielseitiger Klangpoet, der seine Erfahrungen in multinationalen Gruppen um Anouar Brahem und Asita Hamidi in aufs Wesentliche reduzierte musikalische Bilder überführt und damit einen reichlich persönlichen Kosmos eröffnet.

Ingo J. Biermann, Nordische Musik

 

Underrated: Playing like an atmospheric exploration of the reach of an electric guitar, this solo release from a longtime member of Nik Bärtsch's jazz-rock ensemble Ronin instead testifies to broad capabilities of its sibling the bass. Using a six-string instrument and a bank of electronics, this Swedish-born artist is just as adept conjuring a latticework of notes and echo on the album’s title track, or a rattling sort of funk on ‘Squizzle’ that recalls the more driving ventures by more stripped-down guitarists such as Leo Kottke.

 

Chris Barton, L.A. Times

 


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