Foyer Jazz-Club  # 8 • Hellmüller Trio (CH)

Die Stille Klasse.

Fr. 10. Mai 2019 - 21:00 Uhr • FORUM Merzhausen •23,00 Euro


«One should always be careful when throwing around the term “magic”, but in this case it is justified – or even more than that, because “magic” is the first word that comes to mind when trying to describe the astonishing music of this guitar, bass and drum trio.” (Ulrich Steinmetzger)

Franz Hellmüller • guitar / Patrick Sommer • bass / Martin perret • drums


Hellmüller Trio • Magnolia

Kammermusikalische Eleganz

Im Flow mit der Gitarre


Unscheinbar ist Franz Hellmüller nur insofern, als er sich in keiner hippen Szene bewegt oder nicht mit ausgefallenen Projekten möglichst Aufmerksamkeit erregen will. Stattdessen ist er der Handwerker, Komponist und Musiker geblieben, der sich stetig verfeinert, weiterdringt und immer wieder jene Ebenen anzupeilen vermag, in denen die Musik plötzlich abhebt. «Kürzlich erlebte ich an einem Live-Gig wieder so einen Moment. Die Verbundenheit des Trios erzeugt dann eine unglaubliche Energie, die alle drei Musiker wie intuitiv verschmelzen lässt. Das lässt sich intellektuell nicht fassen. Es fliegt einfach.»

Der aus Horw stammende Gitarrist hat sich an der American School Of Modern Music in Paris und an der Jazzabteilung der Musikhochschule Luzern ausgebildet. Zu seinen Dozenten zählten Musiker wie Dave Liebman, Frank Möbus, John Abercrombie oder Kurt Rosenwinkel. Seit gut zehn Jahren ist er mit ganz verschiedenen Formationen auf der Piste. Immer wieder ist das Trio eine bevorzugte Grundeinheit, in der klassischen Besetzung Gitarre, Bass, Schlagzeug. Dazu zählt neben dem seit 2006 existierenden Trio Hellmüller-Sisera-Renold das Hellmüller-Trio. 


Kammermusikalische Eleganz

Mit dieser eigenen Formation hat Hellmüller jetzt sein drittes Trio-Album veröffentlicht. Es ist das erste mit den beiden Musikern Patrick Sommer (Kontrabass) und Martin Perret (Schlagzeug). «Wir spielen seit zwei Jahren zusammen. Ich hatte zuvor mit ihnen gejammt und gemerkt, wie gut es funktionierte.» Das Album «Magnolia» unterstreicht die stille Klasse dieses Trios. Schon für die letzten Alben hatte Hellmüller von der Jazzkritik hervorragende Reviews bekommen.

Das ist nicht Musik, die modisch prickelt oder einem aufdringlich ins Gesicht donnert. Es ist eher ein kammermusikalischer Jazz, der von Nuancen und leisen ­Erschütterungen lebt, sich permanent wandelt und dabei seine ­Anmut behält. Die zehn Tracks stammen bis auf eine Ausnahme aus der Feder von Hellmüller. Doch ebenso wichtig wie die geschriebenen Motive sind die ­improvisatorischen Geschichten, die sich daraus ergeben. Sie lösen sich quasi unhörbar von den Strukturen und fliessen in den freien Raum. Die Melodien treiben wie Blüten in einer warmen Nacht, das Interplay ebbt und flutet in impulsiver Sanftheit, bevor es sich wieder in energischen Schüben verzweigt.

Es ist eine eigene Jazz­sprache, irgendwo zwischen lyrischem Post-Bop, geschmack­voller Fusion und einer per­sönlichen Handschrift, in der Hellmüller sein Akkord- und ­Single-Note-Spiel souverän verschränkt, ideenreich harmonische Formen öffnet und sich mit Bass und Schlagzeug in Flow bringt. Dabei täuscht die Leichtigkeit der Performance darüber hinweg, wie anspruchsvoll solche kompositorisch-improvisatorischen Intimitäten auf den Punkt zu spielen sind. 

Bislang sind es jedesmal zwei andere Mitstreiter, mit denen der Schweizer Gitarrist Franz Hellmüller im Trio zusammenspielt. Diesmal sind es die beiden Landsleute Patrick Sommer und Martin Perret an Bass und Schlagzeug, die sich mit ihm auf die Reise machen. Aber eins hat sich nicht geändert: die hohe Qualität der gitarristischen Ausflüge, die schon die letzten Platten „Roots“ und „Norsten“ hatten. Auf „Magnolia“ sind es ausschließlich Eigenkompositionen des Gitarristen, nur das versponnene „Dadada“, das sich aus einer simplen Schlagzeugfigur entwickelt, stammt aus der Feder des Bassisten. Hellmüller lässt seine Gitarre glückselig perlen wie einst Pat Metheny im Titelstück, auf „Minimaxbum“ bewegt sich sein Picking geradezu geometrisch voran und in „Orb“ fängt die Gitarre mit verzerrter Kraft an zu brüllen. Doch vor allem ist es eine Welt der subtilen Nuancen, die das Hellmüller Trio mit viel kreativer Finesse gestaltet.


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